Woyzeck – Ein Teenie-Drama

Alle diejenigen, die gerne von der Literaturverdrossenheit heutiger Jugendlicher sprechen, wurden am 3. März in der IGS Gerhard Ertl in Sprendlingen eines Besseren belehrt. Die Faszination des Woyzeck von Georg Büchner motivierte die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Deutsch (MSS 13) zu einer eigenen Interpretation, die an diesem Abend in eine viel beklatschte Aufführung mündete.

Das Dramenfragment, das zu den bedrückendsten Stücken der deutschen Theatergeschichte gehört, inspirierte die Schülerinnen und Schüler zu einer freien Interpretation, in der sie ein zentrales Thema des Stückes - Gewalt, Macht und Ohnmacht - in die Erfahrungswelt der Teenager transponierten. „Die Idee dazu entstand im Deutschunterricht, in dem wir das Dramenfragment behandelten. Die Schülerinnen und Schüler entdeckten in der komplexen Themenvielfalt des Stückes viele Anknüpfungspunkte an aktuelle Probleme in der Welt der Schüler“, fasst die Deutschlehrerin des Kurses, Inga Rudloff, zusammen.

Im voll besetzten Musiksaal der Schule begrüßte Elina Walther Eltern, Mitschüler, Lehrer und interessierte Gäste, die eine lockere Reihe von kurzen Spielszenen erlebten: An ganz normalen Orten wie der Schule, bei den Eltern zu Hause oder auf Partys entwickelten sie einen Fall von Mobbing in der Schulgemeinschaft, welcher im Lauf des Stückes bis zum Wahnsinn eines Amoklaufes eskalierte. Dabei ist Woyzeck, intensiv dargestellt von Malin Reinhard, ein Junge, der Opfer von Ablehnung und Schikane wird und in zunehmender Verzweiflung schließlich zum Täter wird.

„Ich hatte bisher noch keine Erfahrung im Theaterspielen“, erzählt uns Malin erleichtert nach der erfolgreichen Aufführung. „Vor allem hätte ich auch nicht erwartet, dass es mir so viel Spaß macht. Wenn bei den Proben gar nichts mehr ging, haben wir einfach einmal gelacht, dann ging es wieder weiter“.

Bemerkenswert ist auch, dass die Schülergruppe vom Schreiben der Szenen, der Darstellung der Personen, dem Bühnenbild bis zur Bewirtung der Gäste am Abend alles selbst machte. Unterstützt wurden die Schauspieler zudem von der Technik-AG der Schule, die für die Licht-, Ton- und Bildelemente sorgte sowie von der Kurslehrerin Inga Rudloff, welche die Proben leitete. Ein gelungener Auftakt für weitere Theaterprojekte an der Sprendlinger Schule, darüber waren sich alle Zuschauer des Abends einig.

Das Drama „Woyzeck“ wurde von Georg Büchner vermutlich 1836 begonnen. Durch seinen frühen Tod im Jahre 1837 blieb das Stück als Fragment zurück und erschien erst lange nach seinem Tode in einer überarbeiteten Fassung im Jahre 1879. Das Stück spielt in Darmstadt und handelt von dem Soldaten Franz Woyzeck, der zum Mörder wird, nachdem seine Vorgesetzten ihn ausnutzen und schikanieren und seine Freundin ihn betrügt.