Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt

Ihr Ansprechpartner

Adrian von Sturm

Direktorstellvertreter und Koordinator der Schwerpunktschule

Kontakt: A.vonSturm@IGS-Gerhard-Ertl.de

Präambel


Die IGS Gerhard Ertl sieht es als ihre oberste Verantwortung an, eine sichere und geschützte Lernumgebung für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. In einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Thematik sexualisierte Gewalt stetig wächst, ist es unerlässlich, klare Richtlinien und Maßnahmen zu etablieren, die sowohl präventiv als auch reaktiv wirken. Dieses Schutzkonzept dient als Leitfaden, um das Wohl aller am Schulleben Beteiligter an unserer Schule zu gewährleisten und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich frei entfalten können. Wir verstehen sexualisierte Gewalt als eine ernsthafte Bedrohung für die körperliche und seelische Integrität und sind uns bewusst, dass jede Form von Gewalt inakzeptabel ist. Die Integrierte Gesamtschule Gerhard Ertl verpflichtet sich, durch Aufklärung, Sensibilisierung und Schulung aller Beteiligten – von Lehrkräften über Eltern bis hin zu Schülerinnen und Schülern – ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Wir setzen auf eine offene Kommunikation, in der Betroffene ermutigt werden, über ihre Erfahrungen zu sprechen und Unterstützung zu suchen. Darüber hinaus werden wir geeignete Maßnahmen zur Prävention und Intervention implementieren, um potenziellen Gefahren entgegenzuwirken und im Falle eines Vorfalls angemessen zu reagieren. Die Zusammenarbeit mit Fachstellen, Beratungsdiensten, der Polizei und anderen außerschulischen Akteuren ist für uns von großer Bedeutung, um eine umfassende Unterstützung zu gewährleisten. Mit diesem Schutzkonzept bekräftigen wir unser Engagement für ein respektvolles Miteinander und die Schaffung eines geschützten Raumes, in dem jede Schülerin, jeder Schüler, jeder am Schulleben beteiligter Person die Möglichkeit hat, sich sicher und geborgen zu fühlen. Wir sind überzeugt, dass durch gemeinsame Anstrengungen und ein starkes Netzwerk an Unterstützung ein entscheidender Beitrag zur Prävention sexualisierter Gewalt sichergestellt werden kann. In diesem Sinne laden wir alle Mitglieder der Schulgemeinschaft ein, aktiv an der Umsetzung dieses Schutzkonzepts mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam können wir eine Kultur des Respekts und der Achtsamkeit fördern, die das Fundament für eine sichere und positive Schulatmosphäre bildet.


Bei der Erstellung des Konzepts zur Prävention sexualisierter Gewalt an der IGS Sprendlingen wurde sich an den Schutzkonzepten der Schulen Johannes Gymnasium (Lahnstein), Förderschule in Worms und Paul-Schneider-Gymnasium (Meisenheim) orientiert.


Zum besseren Verständnis und der gezielteren Würdigung der nachfolgenden Inhalte wird eine Definition des Begriffs der „sexualisierten Gewalt“ anheimgestellt:


„Sexualisierte Gewalt umfasst alle sexuellen Handlungen, die einer Frau oder einem Mann bzw. einem Kind oder einer/einem Jugendlichen aufgedrängt oder aufgezwungen werden. Sie ist eine aggressive Handlung und wird in der Regel innerhalb von Machtverhältnissen ausgeübt. Sie ist kein unkontrollierbares Triebgeschehen, sondern setzt eine Entscheidung voraus. 

[…]

Sexualisierte Gewalt kann gravierende und anhaltende Folgen für die psychische und physische Gesundheit nach sich ziehen, wie eine posttraumatische Belastungsstörung, psychische Erkrankung, körperliche Verletzungen, gefährliche Infektionen oder ungewollte Schwangerschaften. Diese Form der Gewalt greift die Persönlichkeit und den Körper der Betroffenen in einem besonders intimen und sensiblen Bereich an, es wird in der Fachliteratur von sexueller Traumatisierung gesprochen. Sexualisierte Gewalt kann eine Erschütterung oder sogar einen Bruch der eigenen Biografie, des eigenen Lebensplans und damit auch der Identität darstellen. 

Für Betroffene ist das Erleben sexualisierter Gewalt häufig sehr schambesetzt. Sie machen sich Vorwürfe, sich nicht richtig verhalten und die Übergriffe provoziert zu haben bzw. durch die sexualisierte Gewalt beschmutzt und entehrt zu sein. Das Sprechen darüber kann sehr schwerfallen, Angehörige und Personen des sozialen Umfeldes wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen und verstärken gewollt oder ungewollt die Schuldgefühle der Betroffenen. Dass diese Gewalt als das Unsagbare gedacht wird, bringt die Betroffenen zum Schweigen. Von großer Bedeutung ist es, frühzeitig in kompetente spezialisierte Unterstützung vermittelt zu werden. Zunehmend wird diskutiert, dass es destruktiv und schwächend ist, Betroffene von Vergewaltigung als ewige Opfer und „fürs Leben geschädigt“ darzustellen und ihnen abzusprechen, dass sie die Kompetenz und Kraft haben können, Gewalt und ihre Folgen zu bewältigen.“ [1]


 
[1] KAVEMANN, Barbara: Sexualisierte Gewalt, in: Sexualisierte Gewalt: Landesweite Koordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in Bayern, abgerufen am: 29.04.2025, 15:11 Uhr.