Zeitzeugengespräch mit Mieczysław Grochowski: Erinnerung lebendig, Verantwortung spürbar
von K. Diehl-Knieriemen
Am Mittwoch, den 15.04.2026, begegnete die MSS 12 der IGS Gerhard Ertl in der Aula der IGS Ingelheim einem Stück gelebter Geschichte: Mieczysław Grochowski, 1939 in Pommern (heute Polen) geboren, berichtet als Zeitzeuge von seinen Erfahrungen unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Alter von vier Jahren wurde er mit seiner Familie in das Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz verschleppt und erlebte dort eine Kindheit geprägt von Hunger, Krankheit, Angst und der ständigen Bedrohung durch Gewalt.
Gemeinsam mit ihren Tutoren Frau Baum und Frau Lüdicke trafen sich die Schülerinnen und Schüler vor dem Haupteingang und bereiten das Gespräch in einer kurzen Vorbesprechung vor. Das eigentliche Zeitzeugengespräch begann dann um 19:00 Uhr mit einem bewegenden Trompetensolo von Herrn Grochowski. Wie die Teilnehmenden später erfuhren, hatte er als Erwachsener die Trompete kennengelernt und so eine Leidenschaft für das Instrument entwickelt, dass viele Jahre davon leben konnte Trompete zu spielen. Doch bis er diese Phase in seinem Leben erreichte, war es ein langer und steiniger Weg. Weil sein Vater sich als überzeugter Pole weigerte die Volksliste der deutschen Besatzer zu unterschreiben, wurde er mit seiner Familie in ein Lager deportiert, wo sie knapp zwei Jahre leben musst. Der Vater, der in ein anderes Lager kam, starb dort, während Mieczslaw das Lager mit seiner Mutter und einer Schwester knapp überlebte. Lebhaft und in fast akzentfreiem Deutsch schilderte der sechsundachtzigjährige von Krankheit, Hunger und Entbehrungen in dieser schlimmen Zeit. Die persönlichen Erinnerungen von Herrn Grochowski machten die systematischen Folgen der nationalsozialistischen Diktatur für Millionen von Menschen in Europa greifbar. Das Gespräch eröffnete einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte und stärkte das historische Bewusstsein – zugleich lud es dazu ein, über Demokratie, Menschenwürde, Verantwortung sowie den Umgang mit Ausgrenzung und Diskriminierung nachzudenken. Damit bildet der Abend auch eine inhaltliche Brücke und Vorbereitung auf die Gedenkstättenfahrt der Schülerinnen und Schüler die in der MSS 13 stattfinden soll.
Wir danken Herrn Grochowski für seine Bereitschaft, zu berichten – und unseren Schülerinnen und Schülern für ihre Aufmerksamkeit und ihr respektvolles Auftreten. Außerdem der IGS Ingelheim für die Gastfreundschaft und freundliche Einladung der Schülerinnen und Schüler aus Sprendlingen. Des Weiteren der Max Kolbe Stiftung und dem Bistum Mainz, die die Zeitzeugengespräche vermittelt und organisiert hatten. Es war eine wichtige und beeindruckende Begegnung.















