von Marlie Metzler
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4. Dezember 2025
Am 27. November 2025 machten sich alle 9. Klassen unserer Schule gemeinsam mit ihren Tutorinnen und Tutoren, dem FSJler sowie Herrn Hemberger auf den Weg nach Osthofen, um dort die KZ-Gedenkstätte zu besuchen. Nach der Ankunft erhielten die Schülerinnen und Schüler zunächst einen historischen Überblick: Wie konnte es überhaupt zur Machtübernahme der Nationalsozialisten kommen? Welche politischen Entwicklungen führten dazu, dass Menschen ohne rechtsstaatliche Verfahren in Konzentrationslager verschleppt wurden? Anhand von historischen Fotos, Dokumenten und Berichten wurde den Jugendlichen die Entstehungsphase des NS-Systems anschaulich erläutert. Im Anschluss folgten Führungen über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Die Gruppen besichtigten unter anderem den früheren Wohnbereich, die sanitären Anlagen sowie den Außenbereich. Besonders eindrücklich waren dabei die Schilderungen der damaligen Lebensumstände: Eine einzige halbe Stunde Waschzeit für rund 300 Gefangene, völlig unzureichende Hygiene und Schlafplätze direkt auf dem kalten Boden. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, wie sie auch am Besuchstag herrschten, wurde vielen erst bewusst, wie unmenschlich und entwürdigend der Alltag der Inhaftierten gewesen sein muss. Große Aufmerksamkeit fanden auch die vorgestellten individuellen Schicksale ehemaliger Häftlinge. Ein Beispiel war die Geschichte eines Mannes, dem zwar die Flucht gelang, der aber Jahre später in Frankreich wieder festgenommen und deportiert wurde. Nur neun Tage vor Kriegsende starb er schließlich. Solche persönlichen Lebenswege halfen den Schülerinnen und Schülern zu erkennen, dass hinter den historischen Zahlen konkrete Menschen standen – mit Familien, Hoffnungen und Zukunftsplänen, die brutal zerstört wurden. Das Konzentrationslager Osthofen gehört zu den frühen Lagern des NS-Regimes. Es bestand von 1933 bis 1934 und diente in erster Linie der Inhaftierung politischer Gegner – insbesondere Mitglieder demokratischer Parteien, Gewerkschafter, Journalisten oder Menschen, die offen gegen die nationalsozialistische Ideologie eintraten. Das Lager wurde in einer ehemaligen Papierfabrik eingerichtet und war eines der wichtigsten frühen Terrorinstrumente der neuen Diktatur in der damaligen Pfalz (heute Rheinland-Pfalz). Heute befindet sich auf dem Gelände eine landesweit bedeutsame Gedenk- und Bildungsstätte, die durch Ausstellungen, Führungen und pädagogische Programme an die Opfer erinnert und die Mechanismen der NS-Herrschaft vermittelt. Osthofen gilt als ein zentraler Lernort, um die frühen Strukturen des Terrors zu verstehen und Zusammenhänge zwischen Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung zu reflektieren. Die Exkursion nach Osthofen ist seit vielen Jahren fest in unserem Schulprofil verankert: Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist es uns ein großes Anliegen, den Schülerinnen und Schülern einen direkten, authentischen Zugang zur Erinnerungskultur zu ermöglichen. Jeder Jahrgang besucht im Verlauf der Schulzeit mindestens eine Gedenkstätte – ein wichtiger Baustein unseres Bildungsauftrags in Zeiten, in denen demokratische Werte immer wieder herausgefordert werden. Im Rückblick fasst Herr Neumann, der den Jahrgang als GL-Lehrer begleitete, den Tag so zusammen: „Es war eine bedrückende, aber ungemein wichtige Erfahrung. Ich bin dankbar, dass unsere Schülerinnen und Schüler durch solche Ausflüge an die Geschehnisse im Dritten Reich erinnert werden. Nur so verhindern wir, dass diese Verbrechen in Vergessenheit geraten. Mir ist besonders wichtig, dass junge Menschen diese Geschichte nicht nur aus dem Schulbuch kennen, sondern an einer Gedenkstätte unmittelbar nachvollziehen können. Erst dann kann der Unterricht das Erlebte wirklich aufgreifen und vertiefen.“ Der Besuch hinterließ bei vielen Jugendlichen sichtbare Eindrücke, die nun im GL-Unterricht aufgegriffen und vertieft werden. Passenderweise steht dort aktuell das Thema „Nationalsozialismus“ auf dem Lehrplan, sodass die Exkursion eine wertvolle Grundlage für die weitere Auseinandersetzung bildet.