„Krieg den Palästen“ — Der Histotainer Tino Leo zu Gast an der IGS Gerhard Ertl
von K. Diehl-Knieriemen
Am Donnerstag, den 17. September 2026, versammelte sich die gesamte Oberstufe der IGS Gerhard Ertl in der kleinen Sporthalle, um eine ganz besondere Aufführung zu erleben. Der Mainzer Schauspieler Tino Leo präsentierte sein Ein-Personen-Stück „Einigkeit und Recht und Freiheit“ — ein lebendiger und zugleich lehrreicher Histotainment-Vormittag, der die Schülerinnen und Schüler mitriss und in die bewegte Zeit des Vormärz entführte.
Tino Leo schlüpfte dabei in über 20 historische Figuren und stellte den Schülerinnen und Schülern lebendig und abwechslungesreich die Zeit der Vormärz und der Revolution von 1848 vor. In raschem Wechsel traten ein blasierter Kanzler Wenzel von Metternich mit charmantem Wiener Schmäh, ein fetter Friedrich Wilhelm IV. mit kräftigem Überbiss, aber auch ein verhuschter Biedermeier und ein elend schuftender und hungernder Industriearbeiter auf, die ihre Probleme schilderten. Wenige aber ausdrucksstarke Requisiten, wie der Augenbrauenkamm eines eitlen adeligen Fürsten genügten, um die Verachtung der herrschenden Klasse für die modernen Ideen von Volkssouveränität und Gleichheit deutlich hervortreten zu lassen. Daneben sang, schrie und flüsterte der Schauspieler auf der kleinen Bühne der Sporthalle und starb nicht zuletzt mehrere Tode für die titelgebende Freiheit. Gerade diese theatralischen Überzeichnungen halfen den Schülerinnen und Schülern, die komplexen historische Zusammenhänge zu verstehen.
Thematisch behandelt „Einigkeit und Recht und Freiheit“ die Ursachen und den Verlauf der Unruhen im Vormärz: Die politische Zersplitterung Deutschlands, die Forderungen nach nationaler Einheit und bürgerlichen Rechten, die Repression konservativer Mächte. Dabei scheut das Stück nicht davor zurück, auch Momente des Aufbruchs und der Hoffnung zu zeigen — und appelliert aber auch daran, die heute erreichten Privilegien nicht für selbstverständlich zu halten.
Genau wie Jürgen Klopp am Nachtmittag desselben Tages dazu aufforderte sich die Nationalfahne zurückzuholen, machte die Veranstaltung am Vormittag deutlich, dass die deutschen Nationalfarben schwarz, rot, gold für eine ganz andere Politik und Zielsetzung stehen als die der autoritären und rückwärtsgewandten Partei AFD. Diese Tatsache wurden denn auch im sich anschließenden Gespräch mit Herrn Ansgar Kemmann vom Bürgerverein Demokratieort Paulskirche e.V. deutlich. Dabei zeigte sich die Schülerinnen aufgeschlossen und diskutierten lebhaft mit den beiden Gästen über die Notwendigkeit für die Werte Einigkeit und Recht und Freiheit einzutreten.
Leos Performance wurde von den Jugendlichen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt; das Zusammenspiel von Humor, Schauspielkunst und historischer Einordnung traf offenbar den Nerv der Oberstufe. Lehrerinnen und Lehrer lobten, wie das Stück abstrakte historische Inhalte greifbar machte und zur Diskussion anregte. Die Fachschaft Geschichte dankt den Hausmeistern und der Technik Ag für die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung, Frau Walther für die Vermittlung und nicht zuletzt dem Bürgerverein Demokratieort Paulskirche e. V. für das anregende Gespräch und die großzügige Finanzierung der Veranstaltung.
Kurz: „Krieg den Palästen“ — oder genauer: Tino Leos „Einigkeit und Recht und Freiheit“ — war ein gelungenes Beispiel dafür, wie Theater Geschichte lebendig machen kann. Die Aufführung und das anschließende Gespräch mit dem Verein Paulskirche bleiben Erinnerung und Anstoß zugleich — zur Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in einer demokratischen Gesellschaft.















