von Leonie Steinmetz
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27. Februar 2026
Vom 08.02.2026 bis zum 14.02.2026 nahmen 12 Schülerinnen und Schüler der IGS Gerhard Ertl aus Sprendlingen dank des ADD Konsortiums am Erasmus+-Austausch mit der spanischen Partnerschule IES Les Foies in Benigànim teil. Ergänzt wurde die internationale Gruppe durch Teilnehmende aus den Niederlanden und Sizilien – insgesamt 60 Jugendliche, die eine Woche lang gemeinsam lernten, arbeiteten und über sich hinauswuchsen. Die Mobilität wurde durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union gefördert, das im Konsortium der ADD Rheinland-Pfalz unter anderem die Schwerpunkte Demokratiebildung und Nachhaltigkeit verfolgt. Schon am ersten Tag zeigte sich, wie schnell aus Fremden ein Team werden kann. Besonders eindrucksvoll war der Workshop zur traditionellen Sportart Pilota Valenciana. Die Schülerinnen und Schüler lernten nicht nur die Regeln dieses regionalen Spiels kennen, sondern stellten auch ihre eigenen „Guantes“ her – aus alten Gartenhandschuhen, Plastikresten und Pflastern. Spätestens als die ersten improvisierten Profi-Handschuhe fertig waren, war klar: Upcycling kann Spaß machen – und weh tun, wenn man den Ball unterschätzt. Nachhaltigkeit mal ganz anders. Im Musikworkshop erlebten die Teilnehmenden, dass man auch ohne musikalische Vorkenntnisse Teil eines Ensembles sein kann. Mit Rasseln, Trommeln und anderen Rhythmusinstrumenten entstanden traditionelle Melodien, die die Gruppe schnell verbanden. Ein besonderes Highlight war das gemeinsame Spielen des italienischen Liedes „Con te partirò“. Viele kannten es vorher nicht. Aber nach dieser Woche dürfte das Lied zumindest in Benigànim einen kleinen Popularitätsschub erlebt haben. Wie eng die Jugendlichen in kurzer Zeit zusammenwuchsen, zeigte sich besonders im Kunst- Poesieworkshop. Dort stand das Thema Demokratie im Mittelpunkt – und plötzlich saßen Schülerinnen und Schüler aus vier Nationen gemeinsam über einem einzigen großen Kunstwerk, das weltpolitische Herausforderungen im Stil berühmter Künstler ihrer Herkunftsländer mit Versen von berühmten Dichtern darstellen sollte. Was zunächst nach einer diplomatischen Meisterleistung klang, entwickelte sich schnell zu einem kreativen Miteinander, bei dem Picasso auf Caspar Friedrich und weitere Künstler traf. Ein weiterer kreativer Höhepunkt war der Workshop zur Wandgestaltung. Was zunächst wie eine wilde Mischung aus Farbspritzern, Kritzeleien und spontanen „Ich probier das jetzt einfach mal“-Momenten aussah, verwandelte sich im Laufe der Tage in ein beeindruckendes Wandbild. Aus dem anfänglichen Chaos entstand Schritt für Schritt ein klarer, farbenfroher Schriftzug: „Erasmus“ – gestaltet von allen Schülerinnen und Schülern, ganz gleich, ob sie sich selbst als künstlerisch begabt oder eher als „Strichmännchen-Spezialisten“ bezeichneten. Jeder durfte etwas beitragen, und genau diese Vielfalt machte das Ergebnis so besonders. Am Ende stand nicht nur ein neues Kunstwerk auf dem Schulgelände, sondern auch das Gefühl, gemeinsam etwas Bleibendes geschaffen zu haben. Der krönende Höhepunkt der Woche war der Abschlussabend am Donnerstag. Vor allen Gasteltern und der Schulleitung präsentierten die Schülerinnen und Schüler selbstbewusst und mit spürbarem Stolz die Ergebnisse ihrer Workshops – und das gleich zweisprachig, auf Englisch und Spanisch. So wurden auch die Gastfamilien direkt in die Projekte hineingezogen und konnten erleben, was ihre Gäste in nur wenigen Tagen geschaffen hatten. Ob Sport, Musik, Kunst oder Poesie – jede Gruppe fand ihren eigenen Weg, die Woche lebendig werden zu lassen. Am Freitag folgte dann das kulinarische Finale: ein traditionelles Paella-Essen, das nicht nur köstlich war, sondern auch den letzten Beweis lieferte, dass man mit einer großen Pfanne, viel Reis und noch mehr guter Laune Menschen aus vier Nationen an einen Tisch bringen kann. Durch die Zeit in ihren Gastfamilien wurden natürlich auch kulturelle Unterschiede sichtbar, die für viele zu echten Aha-Momenten führten: Abendessen um 22 Uhr, Sandwiches in Alufolie oder gleich fünf Mahlzeiten am Tag – all das war ungewohnt und sorgte für Staunen, Lachen und manchmal auch Heimweh nach Vollkornbrot. Am Ende der Woche blickten die Jugendlichen auf zahlreiche neue Erfahrungen zurück: Sie hatten neue Freundschaften geschlossen, ihre Sprachkenntnisse erweitert, kulturelle Unterschiede reflektiert und gelernt, wie bereichernd internationale Zusammenarbeit sein kann. Die Mobilität hat ihnen gezeigt, dass Europa nicht nur ein politisches Projekt ist, sondern ein lebendiger Raum des Austauschs, der Offenheit und des gemeinsamen Lernens.