Wenn Theater hilft: Präventionsprojekt gegen Essstörungen an der IGS Gerhard Ertl
von Leonie Steinmetz
Essstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter. Um junge Menschen für die Risiken zu sensibilisieren und Hilfsangebote aufzuzeigen, hat die Integrierte Gesamtschule (IGS) Gerhard Ertl am 30. April 2026 ein besonderes Präventionsprojekt durchgeführt.
Aktuelle Studien unterstreichen die Dringlichkeit des Themas: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts zeigen insbesondere Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren zunehmend Symptome von Essstörungen. Rund ein Drittel der Mädchen (33,6 Prozent) weist entsprechende Auffälligkeiten auf; bei Jungen liegt der Anteil bei etwa zwölf Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl der diagnostizierten Erkrankungen seit Jahren kontinuierlich an.Vor diesem Hintergrund setzt die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland erstmals auf das Präventionstheater „Püppchen“. Das Stück greift die Thematik lebensnah, emotional und altersgerecht auf und eröffnet Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zu einem oft tabuisierten Thema. Zu den Stationen des Projekts gehörte auch die Integrierte Gesamtschule Gerhard Ertl.
Im Theaterstück ging es nicht um ferne, abstrakte Probleme, sondern um Themen, die viele Jugendliche aus ihrem Alltag kennen. Dadurch wirken die Figuren vertraut, fast wie Mitschülerinnen und Mitschüler. Da ist zum Beispiel Shirin, die ihren Alltag immer stärker nach Kalorien und Sport ausrichtet, vermeintliche „Erfolge“ über Social Media teilt und dabei zunehmend den Blick für sich selbst verliert. Oder Lena, die zwischen familiärem Druck und eigenen Unsicherheiten steht, Essen als Ventil nutzt, danach mit Schuldgefühlen kämpft und sich übergibt.Auch Rollenbilder und Erwartungen spielen eine große Rolle. Simon ist der „Macker“ des Theaterstücks und orientiert sich stark an fragwürdigen Fitness- und Männerbildern aus den sozialen Medien. Thorsten wirkt unsicher, versucht aber, seinen Platz zu finden. Das Stück zeigt sehr deutlich, wie stark äußere Einflüsse das Selbstbewusstsein von Jugendlichen prägen können und wie schnell sich die eigene (Körper-)Wahrnehmung verschiebt.
Im Anschluss ging es zur Nachbereitung in den einzelnen Klassen weiter. Dort wurde über das Stück, aber auch über eigene Erfahrungen gesprochen sowie die behandelten Essstörungen reflektiert. In Gesprächen und Übungen konnten die Jugendlichen sich mit Fragen rund um Selbstwert, Körperbild und Hilfsangebote auseinandersetzen. Abschließend ging es in praktischen Übungen darum, wie man sein Selbstbewusstsein stärkt. „Mit jugendnaher Sprache und einer authentischen Inszenierung gelang es dem Präventionstheater der AOK, unsere Sechstklässler sofort abzuholen. 45 Minuten lang verfolgten die Schülerinnen und Schüler das Stück hochkonzentriert – ein starkes Zeichen für die Wirksamkeit dieses Formats.“, sagt Leonie Steinmetz, Lehrkraft und Präventionsbeauftragte der IGS Gerhard-Ertl in Sprendlingen.
Das Präventionsprogramm „Püppchen“, welches erstmalig in Rheinland-Pfalz gespielt wurde, verfolgt das Ziel, frühzeitig aufzuklären und Jugendliche zu stärken. Umso wichtiger ist es, Bewusstsein zu schaffen und Wege aufzuzeigen, wie Betroffene Hilfe finden können. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland setzt mit solchen Angeboten bewusst auf Prävention im Schulalltag. Für Schulen ist das eine gute und niederschwellige Möglichkeit, wichtige Themen unkompliziert und praxisnah aufzugreifen.
Für die IGS war das Projekt ein voller Erfolg und ein starkes Signal dafür, wie Prävention in Schule gelingen kann. Insgesamt nahmen rund 120 Schülerinnen und Schüler am Theater und den anschließenden Workshops teil.Das Präventionstheater läuft aktuell als einjähriges Pilotprojekt der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland und wird im Anschluss evaluiert. Interessierte Schulen haben derzeit noch die Möglichkeit, sich für das Angebot zu melden.
Weitere Informationen zum Präventionstheater „Püppchen“ finden Sie auf dem Instagram-Kanal: @herzlichtspieler und auf der Homepage der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland: Präventionstheater AOK Rheinland-Pfalz/Saarland.














